Bidermaer (1815 – 1848)

Bidermaer (1815 – 1848)


Der Begriff Biedermeier wurde zunächst von den Realisten abwertend zur Kritik der Literatur der Restaurationszeit verwendet.

Diese literarische Strömung lässt sich zwischen dem Wiener Kongress (1814/15) und der bürgerlichen Revolution von 1848 verorten. Parallel zum eher konservativen Biedermeier bildeten sich die Strömungen des sehr liberalen Jungen Deutschlands und die radikal-demokratische des Vormärz heraus. Alle drei Strömungen werden außerdem als Literatur der Restaurationsepoche bezeichnet. Der Biedermeier prägte die Literatur, wirkte sich jedoch auch nachhaltig auf die in dieser Zeit entstehende eigene Kultur und Kunst des Bürgertums (Kleidung, Musik, Architektur) aus. Oft wird die Literatur des Biedermeiers vor allem als hausbacken sowie konservativ bezeichnet, wobei die Flucht ins Idyll und Private ein typisches Epochen-Motiv ist.

Historischer Hintergrund
1815 wurde der Wiener Kongress eingeleitet, bei dem die Neuordnung Europas geregelt wurde. Die Zeit zwischen 1815 und 1848 war geprägt von dem Interessenskonflikt zwischen den deutschen Fürsten, welche sich für eine Restauration einsetzten, und dem “Jungen Deutschland” (Studenten und Professoren), das nach Freiheit und einer politischen Einheit strebte.

Philosophische Hintergrund
Der philosophische Hintergrund der Restaurationszeit war v. a. von der Philosophie Friedrich Hegels (1770-1831) und seinen SchriftenPhänomenologie des Geistes (1806), Wissenschaft der Logik (1812/16), Enzyklopädie der philosophischen Wissenschaften (1817) undGrundlinien der Philosophie des Rechts (1831) geprägt.

Literatur des Bidermaer
Die Biedermeierdichtung versuchte dem Konflikt zwischen Wirklichkeit und Ideal sowie den politischen Spannungen eine heile poetische Weltmit dem Ziel der Harmonisierung entgegenzusetzen. Bevorzugt wurden kleine literarische Formen. In der biedermeierlichen Literatur wurde das sittliche Ideal der Zeit – genügsame Selbstbescheidung, Zähmung der Leidenschaften, Unterordnung unter das Schicksal, politische Haltung des Mittelwegs, Schätzung des inneren Friedens und kleinen Glücks, Bedacht auf Ordnung, Hang zum Pietismus, Interesse für Natur und Geschichte – dargestellt. Dabei kamen oft die biedermeierlichen Lebensgefühle wie Resignation, Weltschmerz, Schwermut, Stille, Verzweiflung und Entsagung zum Ausdruck, die nicht selten zu Hypochondrie und Selbstmord führten. Grillparzer, Lenau und Mörikebeispielsweise litten in ihren letzten Lebensjahren an Hypochondrie; Stifter und Raimund dagegen gingen in den Freitod.
Sprachliche Kennzeichen biedermeierlicher Literatur sind besonders die Schlichtheit in Form und Sprache, Volkstümlichkeit, Detailgenauigkeit und Bildlichkeit.

Literarische Formen
Balladen
Novellen
Kurzgeschichten
Studien/ Skizzen (bes. Stimmungsbilder)
Verserzählungen
Volkslustspiele, wie Possen, Komödien und Zauberstücke
Skizze/Studie: Ein Skizze/Studie ist ein selbständiger, jedoch formal und stilistisch bewusst unausgestalteter Prosatext. Diese Erzählform überschneidet sich häufig mit anderen, z. B. der Erzählung, der Kurzgeschichte oder dem Bericht.

Zauberstück: Ein Zauberstück ist eine Spielvorlage, die übernatürliche Requisiten und Personal beinhaltet. Man unterscheidet zwischen Zauberspiel (z. B. Raimund: Die gefesselte Phantasie), Zaubermärchen (z. B. Raimund: Der Verschwender), Zauberposse (z. B. Nestroy: Der böse Geist Lumpazivagabundus; Raimund: Der Barometermacher auf der Zauberinsel) und Zauberoper (z. B. Schikaneder: Die Zauberflöte).

Vertreter
Annette Freiin von Droste-Hülshoff(1797-1848)
Jeremias Gotthelf(1797-1854)
Franz Grillparzer(1791-1872)
Karl Leberecht Immermann(1796-1840)
Nikolaus Lenau(1802-1850)
Eduard Mörike(1804-1875)
Johann Nestroy(1801-1862)
Ferdinand Jakob Raimund(1790-1836)
Adalbert Stifter(1805-1868)

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