Das Verb

  • Verben sind Wörter, die sich konjugieren lassen.

Sie lassen sich mit den Konjugationsmorphemen verbinden: -e, -(e)st, -(e)t, -(e)n, -end, -te, ge-, Ablaut, Umlaut (Fleischer/Barz 1995: 34)

– Nullmorphem + e/i-Wechsel sind hinzuzufügen

  • Beim Verb werden folgende grammatische Kategorien unterschieden:

– e Person (3 Personen: 1., 2., 3.)

1.=sprechende P; 2.=angesprochene P. 3. = besprochene P.

– r Numerus (2 Numeri: Singular, Plural)

– s Tempus (6 Tempora: Präsens, Präteritum, Perfekt, Plusquamperfekt, Futur 1, Futur 2)

– r Modus (3 Modi: Indikativ, Konjunktiv, Imperativ)

–  s Genus des Verbs (3 Genera: Aktiv, Vorgangspassiv, Zustandspassiv)

  • Semantische Klassifizierung
  1. Bedeutungsstruktur (Geschehensart):
  2. Tätigkeitsverben: die Subjektgröße führt eine Handlung aus (arbeiten, singen, spielen, springen, gehen)
  3. Vorgangsverben: ein Prozess verändert die Subjektgröße (erkranken, erwachen, einschlafen, sterben, wachsen)
  4. Zustandsverben: sie drücken einen Zustand aus; die Subjektgröße verändert sich nicht (sich befinden, liegen, sein)
  5. Aktionsarten: Verlaufsweise und Abstufung des Geschehens:

– zeitlicher Verlauf (Phasen): Anfang, Dauer, Übergang, Ende

– inhaltlicher Verlauf: Veranlassung, Intensität, Wiederholung, Verkleinerung

  1. Aktionsart:
  2. durative (imperfekive) Verben bezeichnen den reinen Verlauf des Geschehens ohne Information über Anfang oder Ende (arbeiten, blühen, schlafen)

– Zu den durativen Verben sind weiter zu rechnen:

– iterative Verben: sie bezeichnen die Wiederholung eines Geschehens (klopfen, streicheln)

– intensive Verben: sie bezeichnen die Verstärkung der Intensität des Geschehens (brüllen, saufen)

– diminutive Verben: sie bezeichnen die Abschwächung der Intensität des Geschehens (lächeln, tänzeln)

  1. Perfektive Verben grenzen das Geschehen zeitlich ein oder drücken den Übergang von einem (Geschehen) zu einem anderen Geschehen aus:

– ingressive Verben: sie bezeichnen den Anfang des Geschehens (aufblühen, erblicken, einschlafen)

– egressive Verben: sie bezeichnen die Endphase / den Abschluss des Geschehens (verblühen, platzen)

– mutative Verben: sie bezeichnen den Übergang zu einem anderen Zustand (reifen, sich erkälten)

– kausative (faktitive) Verben: sie bezeichnen das Versetzen in einen neuen Zustand (öffnen, senken, legen)

  • Es gibt

– finite und

– infinite Verbformen.

  • Die finiten Verbformen sind:

– Präsens Indikativ Aktiv

– Präteritum Indikativ Aktiv

– Präsens Konjunktiv Aktiv

– Präteritum Konjunktiv Aktiv

– Imperativ

  • Jede der finiten Verbformen wird zusätzlich nach Person und Numerus flektiert.
  • Finite Verbformen (legen den Wirklichkeitsgehalt eines Sachverhalts fest):

– Präsens Indikativ Aktiv (geh-e, geh-st, … 6)

– Präteritum Indikativ Aktiv (ging, ging-st, …6)

– Präsens Konjunktiv Aktiv (geh-e geh-est, …6)

– Präteritum Konjunktiv Aktiv (ging-e, ging-est, 6)

– Imperativ (geh-e, geh-t, 2)

  • Infinite Verbformen sind

– s Partizip I (sing-en-d)

– s Partizip II (ge-sung-en, ge-mach-t)

– r Infinitiv: Helbig/Buscha (2001: 96) unterscheiden 6 Infinitive: (z. B. Infinitiv I Aktiv: sing-en, lächel-n)

  • Die Verbkategorien werden entweder durch eine finite Verbform oder durch eine Kombination aus einer finiten und mindestens einer infiniten Verbform (mit Ausnahme des Partizips I) ausgedrückt:

(Ich) habe (ein Buch) gelesen.

(Das Haus) ist erbaut worden.

  • Im Folgenden werden untersucht:

– 3 Personen: Kommunikationspartner: 1., 2., 3.

– 2 Numeri: Anzahl der Elemente: Sing. (Einzahl oder nicht nach der Zahl unterscheidend) und Plural (Mehrzahl)

– 6 Tempora (Zeitformen): Zeitstufe: Präs., Prät., Perf. Plusquamperf., Futur I und II

3 Modi: spezifizieren den Wirklichkeitsgehalt der fin. Verbformen: Indikativ („wirklich“), Konjunktiv („bedingt wirklich), Imperativ („zu verwirklichen):

Sie hat ein Buch gekauft. (Ind.)

          Wenn sie Zeit hätte, ginge sie spazieren. Sie sagte, sie sei spazieren gegangen. (Konj.)

          Kaufe ein Buch! (Imp.)

– 3 Genera (Betrachtungsperspektive des Sachverhalts: ob er vom Täter (Aktiv) oder vom Geschehen (Passiv) her gesehen wird)

Er hat den Brief unterschrieben. (Aktiv)

          Der Brief wird (von ihm) unterschrieben. (VP)

          Der Brief ist unterschrieben. (ZP)

Bei der Behandlung der  Verbformen in den Vorlesungen wird von den Tempora ausgegangen. Folgende Aspekte werden betrachtet:

  1. Formenbildung
  2. Zeitstufe: Gegenwart, Vergangenheit, Zukunft (Er hat ein Buch gekauft. Er wird ein Buch kaufen.)
  3. Gebrauch von Temporalbestimmungen der jeweiligen Zeitstufe:

(Er wird (morgen) ein Buch kaufen.)

  1. Modale Bedeutung (Modalfaktor): Beziehung zw. Sprecher u. Geschehen: i.d.R.: Vermutung (Er wird (gestern) ein Buch gekauft haben.= Er kaufte (gestern) wohl ein Buch.)

Reihenfolge der Themen: alle Tempora im Ind. Aktiv; alle Tempora im Konj. Aktiv; Imperativ; alle Tempora im Passiv Ind. und Konj. Passiv

 

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