Die inf. Verbformen

  1. Infinite (konjugierte, aber nicht weiter konjugierbare) Verbformen:

Infinitiv

Part. I

Part. II

Bei bestimmten Verwendungen können diese Verbformen dekliniert werden.

  • Die infiniten Verbformen: Das Part. I

Das Part.I wird als a) Attribut verwendet und wie ein Adj.flektiert:

das tanzende Mädchen, des tanzenden Mädchens

Es wird in beschränktem Maße als  b) Teil des Prädikats (d. h. als Prädikativ bei Kopulaverben) verwendet, vor allem bei sein, seltener bei werden und bleiben

Die Arbeit ist / wird / bleibt anstrengend.

Das Getränk ist / *wird / (*)bleibt erfrischend. (Helbig/Buscha 2001: 107)

Viele Part. I können jedoch nicht prädiktiv verwendet werden:

*Das Mädchen ist tanzend.

  • Als Teil des Prädikats können vor allem die Part. I verwendet werden, die ihre Beziehung zum Verb verloren haben und als Adjektive neue Bedeutungen angenommen haben:

Sie war reizend. Vgl. auch: anstrengend, spannend, …

Das Part.I wird als a) Attribut verwendet und wie ein Adj.flektiert:

das tanzende Mädchen, des tanzenden Mädchens

Es wird in beschränktem Maße als  b) Teil des Prädikats (d. h. als Prädikativ bei Kopulaverben) verwendet, vor allem bei sein, seltener bei werden und bleiben

Die Arbeit ist / wird / bleibt anstrengend.

Das Getränk ist / *wird / (*)bleibt erfrischend. (Helbig/Buscha 2001: 107)

Viele Part. I können jedoch nicht prädiktiv verwendet werden:

*Das Mädchen ist tanzend.

  • Als Teil des Prädikats können vor allem die Part. I verwendet werden, die ihre Beziehung zum Verb verloren haben und als Adjektive neue Bedeutungen angenommen haben:

Sie war reizend. Vgl. auch: anstrengend, spannend, …

    

Das Part. kann sich auf das Vollverb im Satz beziehen, d. h. als c) Satzglied verwendet werden:

     Er ging, ein Lied vor sich hin singend, den Berg hinauf.

Das Part. I kann (abgesehen vom Subjekt) eigene Begleiter haben; es hat kein realisiertes Subjekt, jedoch ein implizites Subj., das als Satzglied (Subjekt oder Objekt) zum Vollverb im Satz erscheint. So entstehen Partizipialphrasen (z. B.: ein Lied vor sich hin singend):

Er ging, ein Lied vor sich hin singend, den Berg hinauf. (er ging, er sang)

     Man fand ihn auf dem Rasen sitzend. (man fand ihn, er saß)

Das Part. I hat eine „aktivische“ Bedeutung, es beziechnet, dass ein Sachverhalt zu einer beliebigen Teit vollzogen wird. Es kann durch einen aktivischen Relativsatz umschrieben werden (Engel 1996: 430f.):

das tanzende Mädchen → das Mädchen, das tanzt(e)   

 

Das Partizip II erscheint als a) Teil des Prädikats im Aktiv (Perf., Plusquamperf. u. Futur II) sowie im Passiv: z. B. Er ist nach Wien gefahren.; Der Wagen wurde repariert.

Es wird auch b) außerhalb des Prädikats verwendet, und zwar als Attribut zum Substantiv; es wird wie ein Adj. flektiert:

das neulich erlassene Gesetz

     des neulich erlassenen Gesetzes

Das Part. II kann (abgesehen vom Subjekt) eigene Begleiter haben und eine Partizipialphrase bilden (z. B. neulich erlassen). Das Subjekt aus dem Satz (Das Gesetz wurde neulich erlassen.) erscheint als Substantiv, auf das sich das Part. II bezieht: das neulich erlassene Gesetz

     Es bezeichnet, dass ein Sachverhalt zu einer beliebigen Zeit abgeschlossen wurde (Engel 1996: 434).

 

  • Die infiniten Verbformen: Der Infinitiv

Der Inf. I Aktiv kann substantiviert werden. Er ist ein Singulare tantum (d. h. er hat nur die Singularform) und wird wie ein Substantiv flektiert:

das Singen

          des Singens

 

  1. Nach der Art, wie sie ihr Prät. und ihr Part. II bilden:

– starke Verben: sprechen, singen, …

– schwache Verben: machen, arbeiten, …

– Mischtypen starker und schwacher Konjugation:

brennen, senden, denken,… (Merkmale der st. und der schw. Konj. in derselben Form);

backen, mahlen, salzen … (Doppelformen oder kombinierte Konjugation) s. Helbig/Buscha 2001: 41-44)

  1. Nach der Perfektbildung

– mit haben

– mit sein

alternativ mit haben/sein mit Bedeutungs-unterscheid

  1. Nach der Passivfähigkeit

– passivfähige

– nicht pasivfähige Verben

  1. Nach der Reflexivität

– echte refl. Verben (sich verhalten)

– refl. Konstruktionen (sich kömmen)

 

  1. Nach der Kombinierbarkeit

– Hilfsverben (sie dienen zur Tempusbildung)

– Modalverben (mögen, sollen,…)

– Funktionsverben: sie kommen mit einem Subst.

Vor, das der Sinnträger ist; das Verb bezeichnet die grammat. Kategorien (Tempus, Genus, …) und hat eine semant. Funktion allgemeiner Art: es bezeichnet a) einen Zustand (Angst haben), b) eine Zustandsveränderung (Angst bekommen) und c) das Bewirken eines Zustandes (in Angst versetzen).

Diese Konstruktionen heißen Funktions-verbgefüge. Vielen Funktionsverbgefügen stehen einfache Verben oder komplexe Prädikate gegenüber mit aktivischer oder passivischer Bedeutung:

eine Antwort geben = antworten

          eine Frage stellen = fragen

          Überlegungen anstellen = überlegen

          einen Einfluss auf (Akk.) ausüben= beeinflussen

eine Anregung bekommen = angeregt werden

                                      (Helbig/Buscha 2001: 68 ff.)

 

– Vollverben: das sind Verben, die, wenn sie in einer finiten Form erscheinen, allein einen Satz konstituieren können.

Es gibt gleichlautende Verben, die zu verschiedenen Verbgruppen gehören:

haben a) Vollverb: Sie hat ein Haus. b) Hilfsverb: Sie hat ein Haus gekauft. c) Funktionsverb: eine Ahnung haben (=ahnen)

 

 

  • sein a) Vollverb: Sie ist Lehrerin. b) Hilfsverb: Sie ist Lehrerin geworden. c) Funktionsverb: im Bau sein (=gebaut werden)

 

  1. Nach der Valenz: Valenz ist die spezifische Umgebung der Verben; sie besteht aus den Satzgliedern, die für ein Verb charakteristisch sind. Die Valenz umfasst auch alle obligatorischen Satzglieder. Die Definition von Helbig/Buscha (2001: 57) lautet: Valenz ist die Fähigkeit eines Verbs, Leerstellen um sich herum zu eröffnen, die besetzt werden müssen oder können: Die Elemente, welche die Leerstellen besetzen, heißen Aktanten.
  • Aktanten sind: das Subjekt (Sie liest ein Buch.), das Akkusativobjekt (Er schreibt einen Brief,), das Dativobjekt (Er gibt ihr ein Geschenk.), das Genitivobjekt (Sie bedarf meiner Hilfe.,Sie braucht meine Hilfe.‘), die Richtungbestimmung (Wir fahren ans Meer.) usw.

Neben den Aktanten gibt es im Satz sog. freie Angaben, die nicht für bestimmte Verben spezifisch sind und jederzeit weggelassen werden können: z. B. die Lokal- und die Temporalbestimmung (Sie hat heute im Garten ein Buch gelesen.).

 

  • Es gibt viele Verbgruppen nach der Valenz: z. B. Verben mit:

– Subj.: schlafen, blühen, husten, …

          – Akk.-Obj.: es gibt,

– Subj., Dat.-Obj. und Akk.-Obj.: geben, schenken, zeigen,

Subj., Akk.-Obj. und Präp.-Obj.: drängen zu, verbinden mit, . – ohne Valenz: es regnet, es schneit, es hagelt, …

                             (Helbig/Buscha 2001: 57 f.; 521 ff.)

 

  1. Nach semantischen Kriterien:

– nach der Bedeutungsstruktur (Geschehensart)

– nach der Aktionsart

 

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