E.T.A Hoffmann – “Der Sandmann“- 1816

E.T.A Hoffmann – “Der Sandmann“- 1816

E.T.A Hoffmann – “Der Sandmann“- 1816

Hoffmann wurde am 24.1.1776 in Königsberg geboren. Sein Vater war Advokat. Nach dem Gymnasium in Königsberg studierte er von 1792-1795 Jura. Als Referendar arbeitete er 1796 in Glogau und 1798 in Berlin. Ab 1800 arbeitete er als Assessor in Posen, wurde strafversetzt nach Plozk in Polen.

Etwa 1805 zog er nach Berlin, wo sich seine Begabung als Musiker, Zeichner und Schriftsteller vollends entwickeln konnte. Ab 1814 war er wieder am Kammergericht in Berlin angestellt. Hoffmann starb am 25.6.1822 in Berlin.

 

Werke u.a.

 

  • 1815 Die Elixiere des Teufels
  • 1817 Nachtstücke
  • 1819 Seltsame Leiden eines Theater-Direktors
  • 1819 Klein Zaches genannt Zinnober
  • 1820 Lebensansichten des Katers Murr
  • 1820 Die Irrungen
  • 1821 Die Geheimnisse

 

Eines der berühmtesten Werke Hoffmanns ist die Erzählung „Der Sandmann“, die in dem zweibändigen Zyklus „Nachtstücke“ veröffentlicht wurde. Das Werk beschreibt das Schicksal des Studenten Nathanaels, der von traumatischen Kindheitserinnerungen beeinflusst wird. Sein Leben wird in zwei groβen Erzählschritten dargestellt. Der erste Teil besteht aus drei Briefe und Zwischenrede des Erzählers. Der zweite Teil enthält das Erzählen eines Er-Erzählers von drei chronologisch dargestellten Szenen, die thematisch auf den ersten Teil zurückgreifen. Kurz vor der Schlussszene sorgt noch einmal ein gesellschaftskritischer Exkurs des Ich-Erzählers für eine retardierende Wirkung.

„Der Sandmann“ beginnt mit einem Brief von Nathanael an seinem Freund Lothar, in dem er von einem kürzlichen Ereignis erzählt, das seine traumatische Erinnerung von der Kindheit erwachte. Er schreibt über die Begegnung mit dem Wetterglashändler Coppola, der ihn an den Mann erinnerte, der jeden Abend in sein Elternhaus kam. Seine Mutter sagte, dass er der Sandmann war, aber es war der schreckliche Rechtsanwalt Coppelius, der mit Nathanaels Vater alchemische Versuche machte. Der Sandmann ist ein Charakter von der europäischen Mythologie, der Abends die Kinder besucht, Sand in ihre Augen streut und den Traum entstehen lässt. Aber Hoffmann zeichnet ihn durch die Erzählung von der Wartefrau viel gruseliger. Diese Illustration bleibt in Nathanaels Erinnerung und er verbindet sie mit Coppelius und spatter mit Coppola.

“Ei Thanelchen”, erwiderte diese, “weißt du das noch nicht? Das ist ein böser Mann, der kommt zu den Kindern, wenn sie nicht zu Bett gehen wollen und wirft ihnen Händevoll Sand in die Augen, daß sie blutig zum Kopf herausspringen, die wirft er dann in den Sack und trägt sie in den Halbmond zur Atzung für seine Kinderchen; die sitzen dort im Nest und haben krumme Schnäbel, wie die Eulen, damit picken sie der unartigen Menschenkindlein Augen auf.”

Das Werk fährt mit einem Brief an Nathanael von seiner Verlobte Clara fort, in dem sie versucht ihm zu erklären, dass alles, was passiert ist, nur Teil von seiner Imagination ist, und ermutigt ihn den Wetterglashändler zu vergessen. Bis zum Schluss schwankt Nathanael zwischen der dunklen Welt von Coppelius und der klaren Welt von Clara. Für den Leser bleibt es unklar, ob Nathanael ein Opfer einer Intrige ist oder alles nur seine Halluzination ist.

Dann gibt es noch einen Brief, in dem Nathanael zustimmt, dass Coppelius und Coppola nicht dieselbe Person sind.

Nachfolgend besucht Nathanael seinen Heimatort. Obwohl er von seinen Geliebten umringt ist, denkt er noch an Coppelius. Er ist so besessen, dass er ein Gedicht über seine und Claras Hochzeit schreibt, die von Coppelius unterbrochen wird.

Er stellte sich und Clara dar, in treuer Liebe verbunden, aber dann und wann war es, als griffe eine schwarze Faust in ihr Leben und risse irgend eine Freude heraus, die ihnen aufgegangen. Endlich, als sie schon am Traualtar stehen, erscheint der entsetzliche Coppelius und berührt Claras holde Augen; die springen in Nathanaels Brust wie blutige Funken sengend und brennend, Coppelius faßt ihn und wirft ihn in einen flammenden Feuerkreis, der sich dreht mit der Schnelligkeit des Sturmes und ihn sausend und brausend fortreißt. Es ist ein Tosen, als wenn der Orkan grimmig hineinpeitscht in die schäumenden Meereswellen, die sich wie schwarze, weißhauptige Riesen emporbäumen in wütendem Kampfe. Aber durch dies wilde Tosen hört er Claras Stimme: “Kannst du mich denn nicht erschauen? Coppelius hat dich getäuscht, das waren ja nicht meine Augen, die so in deiner Brust brannten, das waren ja glühende Tropfen deines eignen Herzbluts – ich habe ja meine Augen, sieh mich doch nur an!” – Nathanael denkt: Das ist Clara, und ich bin ihr eigen ewiglich. – Da ist es, als faßt der Gedanke gewaltig in den Feuerkreis hinein, daß er stehen bleibt, und im schwarzen Abgrund verrauscht dumpf das Getöse. Nathanael blickt in Claras Augen; aber es ist der Tod, der mit Claras Augen ihn freundlich anschaut.

Clara beratet ihn das Gedicht ins Feuer zu werfen. Daraufhin stöβt er sie von sich und bescimpft sie („du leblose, verdammtes Automat!“). Der Wortwechsel weist auf sein Verhältnis zu Olimpia voraus.

In dem zweiten Teil des Werks trifft sich Nathanael mit Coppola wieder. Diesmal bietet er ihm verschiedene Brillen an. Nachdem er ablehnt eine zu kaufen, bietet ihm Coppola eine andere Sehhilfe an – ein Perspektiv, das neue Geschehen in sein Leben bringt.

Die erste Sache, die Nathanael durch das Perspektiv sieht, ist die Tochter von Professor Spalanzani, Olimpia. Je länger er sie beobachtet, desto mehr verliebt er sich in sie. Er ist so verblendet, dass er nicht bemerkt, dass sie eine Holzpuppe ist. Nathanael projiziert seine Vorstellungen einer idealen Frau in die hölzerne Puppe hinein und so erweckt sie zum Leben.

Nathanael sieht Spalanzani und Coppola straiten und erfährt, dass Olimpia eine hölzerne Puppe ist. Der Streit sieht wie der Konflikt zwischen Coppelius und Nathanaels Vater aus, aber endet wie das Gedicht Nathanaels. Nach diesem Ereignis bricht er zusammen.

Am Ende geht Nathanael zu Clara zurück, aber als er das Perspektiv nochmal benutzte, war seine Wahrnehmung wieder verzerrt. So endete das fictive Spiel mit der Fiktion mit einem buchstäblichen Fall aus der luftigen Höhe der eigenen Imaginationen.

In dem Werk dominiert der Konflikt zwischen das Rationale und das Fantastische, in denen die Aufklärung und die Romantik erkennbar sind. Die beste Illustration sind die handelnden Personen. Nathanael ist einerseits sensitiv und desorientiert, und Clara ist anderseits das Symbol der Vernunft. Hoffmann gibt Claras Weltanschauung  durch ihren Namen. Auch die Namen der anderen Charakter sind symbolisch: Nathanael – das Gottesgeschenk, Olimpia – die vom Olymp kommt, Spalanzani – assoziiert mit dem Wissenschaftler Lazzaro Spallanzani, Siegmung – Nathanaels Freund, der versucht ihm vor dem Unglück zu bewahren, trägt einen Namen, der Schutz bedeutet. Die Namen des Advokaten Coppelius und des Wetterglashändlers Coppola sind zwar ähnlich, aber auch genug unterschiedlich, um einen Zweifel beim Leser zu verursachen, ob sie dieselbe Person sind. Diese Namen lassen sich mit dem italieniscen Wortstamm „coppo“ oder „coppa“ verbinden, der „Schale, Becher“ bedeutet und die Augenhöhle bezeichnet.

Das Motiv der Augen ist ein zentrales Motiv in dem Werk. Die Augen sind zugleich Organe der sinnlichen Wahrnehmung und des seelischen Ausdrucks. Deshalb glaubt man, dass der Sandmann die Seelen der Kinder zerstört, wenn er ihnen Sand in die Augen sprüht. Nathanaels Seele und Wahrnehmung wurden durch das Perspektiv verzerrt. Das Perspektiv schafft Nähe und Vergröβerung. Nathanaels Perspektive ist „verrückt“. In Clara sieht er einen Automaten, in Olimpia eine „Hieroglyphe der inner Welt“. Das Perspektiv wird mit dem Sand verbunden, weil das Glas in ihm eigentlich geschmolzener Sand ist. Das Motiv der Augen ist durch das ganze Werk gewebt. Dieses immer wiederkehrende Motiv der Augen fungiert als wichtiges Symbol für die Vermischung von Wirklichkeit und Wahn. Es befindet sich in der Erzählung über den Sandmann, in den Experimenten von Coppelius und Nathanaels Vater, in dem Gedicht Nathanaels, in dem Streit zwischen Coppola und Spalanzani, aber auch in den Brillen und dem Perspektiv.

Ein anderes wichtiges Motiv in dem Werk ist das Automaten-Motiv. Zum ersten Mal wird es in den alchemischen Experimenten erwähnt, aber das Hauptmodel ist Olimpia . Sie ist eine hölzerne Puppe, die eine echte Frau werden sollte. Im 18. Jahrhundert waren die Automaten interessant nicht nur für die Wissenschaftler, sondern auch für die normalen Leute. Es gab viele Geschichten über sie und eine von ihnen gilt als mögliche Quelle von Hoffmann.

Ein Taschenspieler stellte eine so täuschend echte Puppe her, dass mehrere junge Männer sich zu einem Stelldichein verleiten lieβen. Die Entdeckung des Betrugs habe das Benehmen der jungen Damen revolutioniert, da sie sich nicht mehr mit einer Puppe hätten verwechseln lassen wollen.

Die Erzählung „Der Sandmann“ war Teil von der Psychoanalyse. Sigmund Freud veröffentlichte ein Essay unter dem Titel „Das Unheimliche“, dessen Grundlage Hoffmanns Werk war. Das Unheimliche ist etwas Bekanntes, aber gleichzeitig etwas Fremdes. Dieses Konzept macht Freud an der Puppe Olimpia und an Nathanels Augenangst fest. Er deutet das Motiv des Augenraubs als Kastrationsangst.

„Der Sandmann“ beeinflusste die Entwicklung der Kunst. Es war die Basis für ein paar Opern, Theaterstücke, Musikstücke, Bilderromane. Es war auch verfilmt.

E.T.A. Hoffmann hinterlieβ seine Spuren in der Literatur. So bedeutend war seine Wirkung, so begrenzt war sie allerdings im Spektrum der Weltliteratur, dass er vor allem als Spezialist für das Phantastische gilt.

 

Hoffmann wurde am 24.1.1776 in Königsberg geboren. Sein Vater war Advokat1 Hoffmann wurde am 24.1.1776 in Königsberg geboren. Sein Vater war Advokat

 

 

 

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