SYMBOLPHONETIK UND TRANSKRIPTIONSYSTEME

DAS INTERNATIONALE PHONETISCHE ALPHABET (API/IPA)

Association Phonétique Internationale – Abkürzung: API (franz.)

International Phonetic Association – Abkürzung IPA (engl.) 

In den 80er Jahren des 19. Jhds wurde von der Association Phonétique Internationale (engl. International Phonetic Association – IPA 1999) das Internationale phonetische Alphabet entwickelt.

API / IPA: internationales Zeichensystem zur Transkription aller in der Welt vorkommenden Sprachlaute

Man hat sich bei dieser Konvention aus Gründen der Einfachheit am lateinischen Alphabet orientiert

® viele Schriftzeichen (Buchstabenzeichen) sind in die IPA entlehnt wurden

Da das lateinische Alphabet nicht genügend Schriftzeichen für alle Laute zur Verfügung hat, wurden zusätzliche Zeichensymbole aus anderen Provenienzen verwendet, wie z.B.

Symbol [θ] aus dem griechischen Alphabet für das stimmlose engl. „th“, wie in  thief, thick

Symbol [D] aus dem Japanischen für das stimmlose engl. „th“, wie in then, thee


Transkriptionszeichen des deutschen Lautinventars

Zeichensymbole für Segmente

Zeichensymbole für Suprasegmente

  1. Seite 14 des Kompendiums

Zeichensymbole für Suprasegmente

Die IPA enthält neben den Zeichensymbolen für Segmente auch Zeichen für sog. Suprasegmente, die in folgende zwei Klassen eingeteilt werden:

diakritische (Diakritika) und

suprasegmentale Zeichen,

Zeichensymbole für Suprasegmente werden mit den Transkriptionszeichen für die Segmente (Laute) kombiniert und tragen zur Präzisierung der phonetischen Wiedergabe der Äußerung bei. (S. Kopie diakritische Zeichen).


Diakritische Zeichen (Diakritika)

Diakritika dienen der Kennzeichnung der Artikulation, z.B. Vokalquantität, Vokalqualität, Aspirierung, Nasalierung, Palatalisierung usw.

Vokalquantität:

Diakritikon: nachgestellter Doppelpunkt  :   

kennzeichnet die Vokallänge bzw. einen Langvokal, z.B. lieben [‘li:bm]],

Diakritikon: nachgestellter halbhoher Punkt ·

kennzeichnet die halbe Länge eines Vokals, z.B. Motto [‘moto·],

(Transkription nicht nach IPA!)


Diakritische Zeichen (Diakritika)

 

Aspirierung / Spirantisierung

Diakritikon: hochgestelltes h

kennzeichnet die bei der Sprengung der Fortisexplosive [p, t, k] angestaute Ausatmungsluft mit einem verstärkten kräftigen Hauchgeräusch, z.B. Paket [‘phakhe:th].

In der einschlägigen Literatur herrscht keine Einigkeit über die Distribution der Aspiration. Es werden drei Standpunkte vertreten:

 

Fortisexplosive werden lediglich in der Anlautpositon aspiriert.

Fortisexplosive werden in der An- und Auslautposition aspiriert.

Fortisexplosive weisen eine starke An- und Auslautaspiration sowie eine schwache Inlautaspiration auf. Diesen Standpunkt vertreten u.a. Altmann /Ziegenhain 2002.

 

Die Aspiration wird in vielen Wörterbüchern zur Aussprache in der Transkription ausgelassen. So z.B. im Großen Wörterbuch der deutschen Aussprache (1982).


Diakritische Zeichen (Diakritika)

Palatalisierung:

Diakritikon: hochgestelltes j

 

Bei der für das Russische kennzeichnenden Palatalisierung wird zusätzlich zur konsonantischen Arikulation der Zungenrücken in die hohe Lage eines palatalen Approximanten versetzt, sodass man ein j nach den Kosonanten [p, b, m, f, v, t, d, n, l, r, s, z] hört.

Dementsprechend wird in der Transkription ein hochgestelltes j verwendet. Die Palatalisierung hat im Russischen distinktiv-kontrastiven Charakter, vgl.

[sok]  Saft vs. [sjok] ‚er peitschte’  (vgl.mak. sok ‚Saft’)

[bil]  ‚er war’ vs. [bjil] ‚schlagen’  (vgl.mak. bil ‚er war’, bie ‚schlagen’)

[nos]  Nase vs. [njos] ‚er trug’  (vgl.mak. nos ‚Nase’, nosi ‚tragen’)

(Beispiele nach Pompino-Marschall 1995, 207).

Suprasegmentale Zeichen

Suprasegmentale Zeichen dienen der Kennzeichnung von Betonungs- und Intonationsmustern. (alles was über den Segmenten liegt)

‛  Hauptbetonung

‚ Nebenbetonung

z.B. bei Komposita

Notation von Transkriptionssystemen

Bei der Notation von Transkriptionssystemen unterscheidet man zwischen:

enger / phonetischer Transkription: eckige Klammern [ ], z.B. [}li:bm]],

weiter / phonematischer  Transkription: Schrägklammern / /, z.B. /}li:bWn/,

graphemischer Transkription: spitze Klammern <   >,  z.B.  <lieben>

enge / weite / graphematische Transkription

ad a) enge / phonetische Transkription: Sie dient zur möglichst exakten phonetischen Wiedergabe von Äußerungen. Die Transkription erfolgt in Phonen und in eckigen Klammern, z..B. <lieben> [}li:bm]], <kaufen> [}khaËufM],

ad b) weite / phonematische  Transkription: Bei der Lautung von Äußerungen werden nur distinktive (bedeutungsunterscheidende) Lautkategorien (Phoneme) berücksichtigt. Die Transkription erfolgt in Phonemen und in Schrägklammern, z.B. <lieben> /}li:bWn/, <kaufen> /kaufWn/,

ad c) graphemische Transkription:

Sie dient zur möglichst exakten graphemischen Wiedergabe von Äußerungen. Die Transkription erfolgt in Graphemen und in spitzen Klammern, z..B.

 <lieben> [}li:bm]], [}li:bWn],

<kaufen> [}khaËufM], [}khaËufW],

Die graphematische Transkription unterliegt den orthographisch-etymologischen Prinzipien eines Schriftsystems, vgl. <lieben> statt *<liben>

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